Freitag, 31. Mai 2013

Orientalismus im Ballett

Einen sehr guten Artikel über den Orientalismus in den ersten Balletten der Ballets Russes habe ich gefunden, leider etwas ärmlich bebildert. Aber er zeigt sehr deutlich, wie wenig realer Orient im Märchenreich jener Zeit steckte, dafür aber umso mehr Folklore aus südlicheren und östlicheren Regionen des großen russischen Zarenreichs. Vor allem aber erfährt man, wie viele Vorstellungen, die wir uns heute noch vom Orient machen, von den Ballets Russes ins kollektive Gedächtnis gebrannt wurden. Laurel Victoria Gray schreibt: Russian Orientalism and the Ballet Russe.

Wer dagegen gern noch in Bildern schwelgen möchte, wird bei der Library of Congress in Washington fündig. Die hatte nämlich im Jubiläumsjahr der Gründung eine eigene Ausstellung mit Fotomaterial veranstaltet. (Zu den Einzelbildern). Übrigens ist es auch der LOC mit ihren Sammlungen zu verdanken, dass ich mein Buch über Vaslav Nijinsky so reich bebildern konnte - europäische Sammlungen waren leider entweder kaum zu erreichen oder unbezahlbar teuer.

Mittwoch, 29. Mai 2013

Le Sacre - der große Skandal

1913 ist das große Schicksalsjahr für die Ballets Russes - mit der Uraufführung des Ballets Le Sacre du Printemps (Musik: Igor Strawinsky / Choreografie Valav Nijinsky) verursachen sie den größten Theaterskandal des 20. Jahrhunderts. Was damals passiert ist, erzähle ich in diesem etwas älteren Blogbeitrag mit Links zu den Originalkostümen von Nicolas Roerich - und natürlich auch in meinem Buch "Faszination Nijinsky. Annäherung an einen Mythos" von Petra van Cronenburg

Festabend 100 Jahre Sacre du printemps

Mehrere hundert Aufführungen gibt es weltweit zum 100jährigen Jubiläum der Aufführung von Le Sacre du Printemps. Wer nicht die Möglichkeit hat(te), an einer der Live-Veranstaltungen teilzunehmen, wird heute abend von ARTE verwöhnt. Das widmet den Abend ganz dem größten Theaterskandal des 20. Jahrhunderts, den die Herren Strawinsky und Nijinsky zu verantworten hatten.
Im Mittelpunkt steht die Fast-Liveübertragung eines ganz besonderen Bonbons: Das Mariinsky-Theater bringt im Pariser Théatre du Chatelet genau die rekonstruierte Choreografie Vaslav Nijinskys in den nachgemachten Kostümen, die damals samt Bühnenbild Nicolas Roerich geschaffen hatte. Das ist auch deshalb besonders, weil genau vor 100 Jahren in genau diesem Theater der Tumult losbrach.

Außerdem schließt sich ein Kreis in der Geschichte - das Mariinsky hat sich mit den Protagonisten der Ballets Russes inzwischen versöhnt. Das war nicht immer so. Vaslav Nijinsky, der dort ausgebildet worden war, ist hochkant aus seiner Tänzeranstellung geflogen, weil er ein angeblich "unziemliches" Kostüm getragen hatte. Und der Impresario der Ballets Russes, Sergej Diaghilew, war in seiner Modernität untragbar geworden. Die Ächtung der beiden hat der Welt einen Segen kosmopolitischen Ausmaßes gebracht: Ohne die Russen wäre das französische Ballett nie revolutioniert worden und als Kunst womöglich sogar untergegangen. Und ohne die Pariser hätten die Russen keinen Auftrittsort gehabt, der ihnen die Freiheit zu kühnen Entwürfen gab.

Heute abend auf ARTE:
20.15-21:45 Uhr eine Dokumentation über das Jahr 1913
21:45-22:20 Uhr die Galavorstellung von Le Sacre in der Choreografie von Nijinsky
22:20-23:35 Uhr eine Dokumentation über die Geschichte des Balletts Le Sacre
23:35 der Spielfim Coco Chanel & Igor Strawinsky

Mehr über Nijinsky und die Ballets Russes im ersten deutschsprachigen Portrait "Faszination Nijinsky" von Petra van Cronenburg.
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